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Risiken und Nebenwirkungen von facebook

Risiken und Nebenwirkungen von facebook

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
viele Auszubildende sind in den sozialen Netzen unterwegs. Aber das Netz vergisst nichts! Wie nötig ein wirksamer Datenschutz und ein professionelles Verhalten in den sozialen Netzwerken ist, zeigen aktuelle Urteile zu Einträgen bei Facebook:


1. Wer auf seinem Facebook-Profil schreibt, sein Ausbilder sei ein „Menschenschinder und Ausbeuter“, muss mit der fristlosen Kündigung des Ausbildungsverhältnisses rechnen. Denn auf Facebook könne eine Vielzahl von Personen die beleidigende Äußerung lesen – schon aus diesem Grund darf der Auszubildende nicht davon ausgehen, dass sie für den Bestand des Ausbildungsverhältnisses folgenlos bleiben wird.
Unreifes Verhalten schützt vor Strafe nicht! (LAG Hamm, 5 Sa 451/12 vom 10.10.12)


2. Keine Chance hatte auch eine Auszubildende, die sich erst krank gemeldet hatte und dann mit fröhlichen Urlaubsfotos auf Facebook grüßte. Gegenstand des Verfahrens war folgender Eintrag: „Ab zum Arzt und dann Koffer packen!“ Danach folgte die ärztliche Krankschreibung und ein Urlaub auf Mallorca mit Urlaubsfotos auf Facebook. Der Arbeitgeber kündigte der Auszubildenden fristlos mit der Begründung, dass sie ihre Arbeitsunfähigkeit nur vorgetäuscht habe. In dem anschließenden Kündigungsschutzprozess vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf schlossen die Parteien schließlich einen Vergleich, mit dem sie sich auf die Beendigung des Ausbildungsverhältnisses einigten. Damit kam das Arbeitsgericht Düsseldorf nicht mehr dazu, über den Beweiswert der vorgelegten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung trotz nachgewiesenem Partyspaß auf Mallorca zu entscheiden. (AG Düsseldorf 7 Ca 2591/11)


3. Genauso erging es einer Versicherungsangestellten, die sich mit Migräne krank gemeldet hatte und dem Arbeitgeber mitteilte, sie könne nicht am Bildschirm arbeiten und müsse sich im Dunkeln hinlegen. Während dieser Zeit war sie jedoch auf Facebook aktiv. Das sah der Chef und kündigte sie. (Fall aus der Schweiz)


4. Anders lief der Fall eines Mannes, der auf seiner Facebook-Seite Arbeitskollegen als „Klugscheißer“ und „Speckrollen“ bezeichnete. Der Arbeitgeber konnte die Kündigung nicht gerichtlich durchsetzen, weil er von den Kollegen zuvor beim Arbeitgeber denunziert worden war und bei seiner Lästerei im Affekt auf Facebook keine Namen genannt hatte (AG Duisburg, 5 Ca 949/12 vom 26.09.12)


5. Ähnlich erging es auch einer Sparkassenangestellten. Deren Mann hatte bei Facebook kritische Einträge über die Sparkasse publiziert, unter anderem ein Fischpiktogramm, das mit dem Sparkassensymbol kombiniert war. Daneben war zu lesen: "Unser Fisch stinkt vom Kopf". Die Ehefrau hatte dazu "Gefällt mir" angeklickt.
Damit hätte sie sich die Beleidigung zu eigen gemacht, argumentierte der Arbeitgeber. Er kündigte der Frau. Das Arbeitsgericht teilte diese Auffassung nicht. Es berücksichtigte die Umstände: Die Frau war 25 Jahre lang für die Bank tätig gewesen. Nach einer so langen Zeit sei eine Abmahnung vor der Kündigung nötig gewesen. (AG Dessau-Roßlau, 1 Ca 148/11, vom 21.03.2012)

Ver.di rät:

  1. Achtet auf eine klare Trennung zwischen beruflichen und privaten Kontakten in den sozialen Netzwerken!
  2. Stellt negative Äußerungen über Ausbilder/innen, Arbeitgeber, Kunden und Kolleg/innen nicht leichtfertig ein! Natürlich gilt die Meinungsfreiheit, aber Persönlichkeitsrechte und Schweigepflicht müssen auch Beachtung finden, Beleidigungen oder Schmähungen gehen gar nicht!
  3. Informiert Euch, ob Ihr privat während der Arbeitszeit surfen dürft, auch kann den Arbeitgeber zur Kündigung berechtigen!


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